Stauseen, Tigris Ursprung und Munzur Vadisi Nationalpark

08.06.2015- 13.06.2015

Weiter geht die Fahrt wieder etwas westlich bis Ergani. Es geht durch recht dünn besiedelte Mittelgebirgslandschaft und wir tangieren wieder mehrfach sehr große Stauseen und klare Gebirgsflüsse, welche zu kurzen Badestopps verleiten.

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Von Ergani führt uns die Straße dann wieder nordwestlich Richtung Elazig. Hier finden wir für die Nacht, am sauberen Hazar Gölü, dem Quellsee des Tigris, ein lauschiges Plätzchen. Tipp: Den See unbedingt am Südufer befahren, denn hier gibt es, entgegen der Karte und des Navi eine durchgehende, kleine, kaum genutzte, Teerstraße. Diese eignet sich auch, nicht nur wegen der vielen Bademöglichkeiten, zu einer schönen Radtour (ca. 22Km/Strecke) und auf dieser Seite findet man auch mehrere Stellplätze, davon unsere Stellplatzempfehlung. N 38°28`22,1”O 39°25`24,6”

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Nach ruhiger Nacht fahren wir weiter über Elazig nach Mezeliköy, von wo man den zweitgrößten Stausee der Türkei, den Keban Baraji, mit der Fähre überqueren muss. Auf der Überfahrt kann man eine zur Insel gewordene Festung bestaunen, diese ist der Rest einer den Fluten geopferten Ortschaft.

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Nur wenige Kilometer nach der Überfahrt, ein Einkehrtipp für Freunde fangfrischer Forellen. Diese kann man sich in einem kleinen, originellen Restaurant munden lassen. Der Bach fließt durch den Gastraum und man sitzt um ein mit Forellen besetztes Becken. Testen konnten wir die Qualität der Gerichte aber leider nicht, da wir gerade kurz vorher gegessen hatten, äußerst ärgerlich. Name des Restaurants: Alabalik Izgara Cesitleri N 38°51`18,0”O 39°20`13,9”

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Wenige Kilometer nach Tunceli beginnt der Munzur Vadisi Milliparki (Munzurtal Nationalpark). Dieser erstreckt über 420 Quadratkilometer bis nach Ovacik. Die ca. 60 km Fahrt zum Ort schlängelt sich über sehr kurvenreiche, aber traumhaft schöne Strecke, und immer am Fluss entlang. Übrigens auch eine Empfehlung für ausdauernd Radfahrer, da die Strecke nicht stark befahren ist (Sackgasse). Man sollte aber das Wochenende vermeiden, denn da werden vermutlich viele Einheimische das Tal stürmen.

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Weitere 17 km nach Ovacik erreicht man die Munzurquellen. Dort kann man bei wenigen Imbissbuden und einigen Souvenirständen, an Sitzgruppen picknicken und dabei viele aus dem Berg sprudelnde Quellen betrachten. Wir sind aber erst einmal noch einige Hundert Meter weiter bergauf, einem Trampelpfad zur allerersten Quelle gefolgt und haben erst danach unseren Erdbeerkuchen verputzt.

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Da für den nächsten Tag eine Bergtour geplant war, es aber für den Nationalpark weder Wanderkarten noch ausgeschilderte Wege gibt, musste irgendwie ein Bergführer her. Deshalb noch mal zurück nach Ovacik. Beim Einkauf sprach uns ein älterer Herr an. Nach den üblichen Fragen nach dem woher und wohin waren wir mit unserem Türkisch am Ende und er nahm mich (Matthias), wie hier so üblich und mir so “angenehm”, bei der Hand und führte mich durchs halbe Dorf zur nächsten Teestube. Erst dort erkannten wir den Grund. Da saß sein Deutsch sprechender Kumpel beim Brettspiel. Dieser wiederum organisierte uns Ismail, einen äußerst rüstigen Rentner, welcher 33 Jahre im Ruhrgebiet unter Tage gearbeitet hat und demzufolge gut deutsch spricht, als Wanderführer. Ist das nicht Gastfreundschaft.

Pünktlich um 8 Uhr trafen wir uns an der verabredeten Stelle und fuhren mit unserem Auto noch einige km bis zum Einstieg der Tour. Wir hatten uns auf eine Wanderung durch ein Tal, aufsteigend zu mehreren Wasserfällen, geeinigt. Ismail “entpuppte” sich als ein absoluter Glückstreffer. Er geht fast täglich in die Berge (meistens allein), ist hier geboren, kann sehr viel über Natur und Geschichte der Region vermitteln und er hat sich wunderbar nach unserem Lauftempo gerichtet (er ist fit wie ein Turnschuh). Am Ende hat es sogar noch für eine kleine Zugabe, in Form einer Passbesteigung gereicht, und nach 8 Stunden waren wir, ziemlich k.o., wieder am Auto. Wunderschöne, aber recht anstrengende, über Geröll und mehrere Bäche (natürlich ohne Brücken), führende Tour.

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Tipp: Wir haben Ismail gefragt, ob wir ihn als Wanderführer in unserem Blog empfehlen dürfen, wir dürfen. Einfach im Dorf (in einer Teestube ist immer gut) nach Ismail Erdogan fragen. Er ist allerdings nicht immer hier, er lebt in Deutschland. Aber ab Mitte Juni bis Mitte Oktober könnte man Glück haben. Leider hat er hier kein Telefon. Wichtig: Er macht das nicht kommerziell, sondern aus reiner Gastfreundschaft. Trotzdem wird er sich über eine Anerkennung, egal in welcher Form, freuen.

N39°20`44,6”O39°8`11,9”

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Nette Begegnungen:

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Kult- und Pilgerstätten, historische Orte, versinkende Geschichte und Wahltag

02.06.2015 – 07.06.2015

Weiter fahren wir nach Göbekli Tepe, der ältesten je entdeckten Kultanlage der Menschheit. Ihr Alter wird auf 8000 bis 9000 v.Ch. datiert. Bisher wurde nur ein Bruchteil des Geländes freigelegt und die Grabungsarbeiten werden sich vermutlich noch Jahrzehnte hinziehen. Schade ist nur, dass durch Sicherungsmaßnahmen der Blick auf die Anlage erheblich verbaut ist.

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Der nächste Tag war Sanliurfa gewidmet. Zuerst musste aber für mich (Matthias), ein salonfähiger Haarschnitt her. Immerhin besuchen wir heute Stätten von historischer Bedeutung. Ob das gelungen ist, liegt nun im Auge des Betrachters.

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Weil wir gerade bei diesem Thema sind, die Türken und auch die Kurden, egal ob Männlein oder Weiblein, sind überaus auf ihr Äußeres bedacht, immer gepflegt und toll gekleidet, sogar der Bauer sitzt im weißen Hemd auf seinem Traktor. Da kommen wir uns manchmal vor wie die letzten Vagabunden.

Nun aber zurück zu Sanliurfa. Die Stadt pfundet mit einer mehrtausendjährigen, komplizierten Geschichte. Eine der wichtigsten Orte ist hier sicherlich die Parkanlage Dergah. Dort findet man den Teich der heiligen Karpfen.

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Hier sollte der heilige Abraham auf Geheiß des grausamen König Nimrod auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Durch ein Gotteswunder soll sich der Scheiterhaufen in einen Teich und die glühenden Holzstücke in Karpfen verwandelt haben. Und wen die Gelüste überkommen sollten, einen der zahllosen Fische zu essen, der wird mit Blindheit gestraft. Also die Angel unbedingt im Auto lassen! Im selben Park findet man auch die mutmaßliche Geburtsgrotte Abrahams, einer wichtigen Pilgerstätte des Islam, an der viele Mekka Reisende einen Stopp einlegen, um für eine glückliche Weiterreise zu beten. Mit der Besichtigung der sehr schönen Halid Moschee und dem Pflichtrundgang durch den Gümrük Hani Basar, der uns mit orientalisches Flair empfängt, wir saugen Düfte, Farben und Geräusche förmlich ein, bei nun fast schon unerträglicher Hitze beenden wir unsere Stadtbesichtigung und erreichen erst bei Dunkelheit unseren schon vorher ausgespähten Übernachtungsplatz.

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Der nächste Tag bringt uns in einem etwas größeren Sprung nach Mardin. Der Ort liegt malerisch am Hang eines steil abfallenden Felsplateaus. Die Häuser aus gelblichen Kalkstein schmiegen sich derart eng an den Felsen, dass von der Ferne der Eindruck entsteht, sie seien ineinander gebaut. Von zahlreichen Dach Cafés hat man einen großartigen Blick, durch Minaretts hindurch, über die Stadt hinüber zur Festung und in das weite, vom syrischen Wüstenstaub getrübte Land. In liebevoll restaurierten Konaks (osmanische Stadthäuser der Oberschicht) kann man auch Urlaub in gehobener Preisklasse machen.

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Seit Sanliurfa fahren wir nun schon durch endlos erscheinenden Getreidefelder, auf denen auch fleißig gearbeitet wird, und staubtrockene, hitzeflirrende Landschaft.

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Deshalb soll es nun ab Nusaybin, dem Grenzort nach Syrien, wieder Richtung Norden, zu Wasser, Bergen und etwas erträglicheren Temperaturen gehen. Doch vorher noch, etwas abseits der Hauptstrecke, ein Besuch der Ausgrabungsstätte Dara. Hierbei handelt es sich um eine Festungsstadt aus byzantinischer Zeit. Laut Reiseführer, eine der schönsten und zugleich am wenigsten besuchten historischen Stätten der Region Mardin. Auch hier sind die Ausgrabungen längst nicht abgeschlossen.

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Beeindruckend auch die riesigen Speicher, wobei noch nicht geklärt ist, ob für Getreide oder Wasser.

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Also gesagt, getan Richtung Norden. In Midyat kurze Stadtbesichtigung, besonders gefiel uns ein aufwendig restaurierter Konak in der Altstadt, von dem man zudem noch einen tollen Blick über den Ort genießen kann. Unterwegs wird eingekauft, die Türkei ist ein Schlaraffenland für Obst- und Gemüse Liebhaber.

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Nun gelüstete uns endlich mal wieder nach einem kühlen Bade. Unsere, im letzten Jahr hier in der Türkei gekaufte Karte, ist ihrer Zeit schon voraus, denn sie zeigt den Ilisu Stausee schon im gefluteten Zustand. Aber der Tigris, welcher hier angestaut werden soll, muss ja trotzdem da sein und ein Bad in diesem doch so klangvollen Fluss soll uns gerade Recht sein. Wir kaufen frischen Fisch und Gemüse und weiter geht’s, auf Schlafplatzsuche. Aber vorher noch Wasser tanken an einer Quelle. Ja, es gibt immer was zu tun. Nach längerer Suche haben wir dann auch eine super Stelle gefunden, an der man auch bis direkt an den Fluss kommt. Also rauf auf die grüne Wiese und hinein in die Fluten. Doch was ist das, als wir die Türen öffnen, fährt uns ein, aus DDR-Zeiten allzu bekannter Geruch in die Nase, es riecht nach Elbe, auch die Sichttiefe und der schaumig–flockige Zustand ist uns noch sehr bekannt. Also, was hier so gen Irak geschickt wird, ist nicht gerade die feine Art. Die Enttäuschung war groß, also wieder bloß die heimische Dusche. Heute singen uns die Frösche ein Schlaflied. 

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Am nächsten Tag fahren wir erst mal nur wenige Kilometer bis Hasankeyf, dem Ort, wo ein weiteres Mal die Interessen der Staudammprojekte mit denen der Geschichtserhaltung und dem Naturschutz gewaltig miteinander kollidieren. Der gesamte Ort, mit seinen zahlreichen Höhlenwohnungen, (auch Kleinkappadokien genannt.), den Überresten einer Festung und einer Brücke aus dem 12. Jhd., historischen Moscheen, u.v.m., soll in den Fluten des Tigris versinken. Es gab deswegen auch schon erheblichen Widerstand und es wurde ein gerichtlicher Baustopp verfügt. Europäische Banken zogen daraufhin ihr Engagement zurück und die Bauarbeiten ruhten einige Zeit. Es wird aber, entgegen dem Gerichtsbeschluss und mit anderem Geld, wieder weitergebaut. Wer also Hasankeyf noch sehen möchte, der sollte nicht mehr lange warten.

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Wir sind dann weiter, auf Wassersuche, über Batman nach Norden in die Berge gefahren. Endlich, bei Kulp an einem Bergfluss, wurden wir fündig und haben gleich 2 Tage unseren Gelüsten nach dem kühlen Nass freien Lauf gelassen. Der Sonntag ist der perfekte Ruhetag mit ebenso perfektem Wetter ein Fleckchen zum Ausspannen und zum Verarbeiten unserer Eindrücke der vergangenen Wochen. Außerdem Putz- Flick- und Reparaturtag. Aber auch Wäschewaschen steht auf dem Programm. Ein ganz normaler Haushaltstag eben. Draußen Kochen, im Fluss baden, einfach die Seele baumeln lassen, sonst nichts! Am ersten Abend machen wir es uns romantisch, es gibt Lagerfeuer! Wir sitzen lange draußen, dem Feuer zusehen und ein Fläschchen leeren.

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Stellplatz N38°33`2,8” O34°55`12,0”

Am zweiten Tag, den 07.06.2015, war in der Türkei Wahltag. Ein Grund für uns, am Abend in den Ort Kulp (38.000 Einwohner) zu fahren. Was wir da erlebt haben, ist mit der Politikverdrossenheit bei uns in Deutschland nicht vergleichbar. Ungewohnt für uns war nur die hohe Präsenz von bewaffneten Polizisten mit gepanzerte Fahrzeugen und mit Kalaschnikows bewaffneten Zivilisten. Alles verlief aber entspannt und in ausgelassener Freude, was sicherlich auch am scheinbar guten Abschneiden, der hier im Kurdengebiet so geliebten HDP- Partei, gelegen hat. Wir hielten es aber für besser, hiervon keine Bilder zu machen. Ein genüssliches Abendessen in einer der vielen Lokantasis, zurück zum Stellplatz und der Tag war perfekt. Nach 2 herrlichen Tagen ziehen die Zugvögel weiter, es war ein super Platz!!

Rund um den Atatürk-Stausee

28.05.2015 – 01.06.2015

Diesmal gleich zu Anfang ein Tipp für den Besuch von Halfeti: Wer die überzogene Parkgebühr von 10 TL (3,50 €) sparen möchte, parkt entweder vor dem Ort oder fährt im Ort gleich nach links, bergab zum kleinen Bootsanleger (evtl.aufgestelltes Verbotsschild ignorieren, wie die Einheimischen auch) und parkt dort (große Ausbuchtung in einer Kurve) neben der beginnenden Schotterpiste. Es empfiehlt sich dann bei Bedarf, auch eines der dort liegenden Boote für den Ausflug zu wählen. Wenn man dieser Piste noch ca. 2 Km weiter entlang des Stausees folgt, gelangt man zu einer weiteren halb versunkenen Geisterstadt. Auf dem Weg dahin findet man auch zwei schöne Stellplätze direkt am Wasser, wobei der zweite Platz der Bessere ist. Und wer ein Allrad-Fahrzeug hat und “scharf” auf anspruchsvolle Piste ist, der fährt nicht die gleiche Strecke zurück, sondern biegt am Ende der Geisterstadt im spitzen Winkel in die bergauf führende Strecke. Wir waren nicht unbedingt scharf darauf, sondern unwissend und zurück wäre noch schlechter gewesen. Es lief aber alles super, wenn da nur nicht diese ängstliche Frau neben mir gewesen wäre!!! Nach ca. 10 Km erreicht man wieder Asphalt, wobei nur ca.1Km recht anspruchsvoll ist.

Sind dann wieder zurück bis Birecik, weiter Richtung Sanliurfa und nach etwa 4 Km wieder nach Norden bis Bozova am riesigen Atatürk Stausee (Atatürk Baraji), wo wir mit einer Gruppe junger Kurden einen lustigen Abend mit Gesang und Tanz verbringen durften.

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Am nächsten Tag sollte es eigentlich bis zum Nemrut Dagi gehen, aber wieder machten uns nicht geplante, aber tolle Begegnungen, einen angenehmen Strich durch die Rechnung. Das Interessanteste war dabei eine überaus wissbegierige und aufgeweckte 10. Klasse, junger Kurden.

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Kurz bevor man den Abfluss vom Stausee in den Euphrat quert, kann man einen kurzen Abstecher zu einem Aussichtspunkt machen. Von da hat man einen tollen Blick auf die gigantische Staumauer. Der Stausee wurde 1990 fertiggestellt und gilt als Herzstück des GAP-Projektes. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass deshalb 65.000 Menschen ihre Häuser verlassen mussten. Für das Auge sind die doch recht seltenen Blicke auf das blaue Wasser eine Wohltat, denn mit Ausnahme der bergigen Region im Nordteil des Sees, ist die Landschaft recht eintönig und stark von Landwirtschaft geprägt. Zudem ist hier der Frühling längst vorbei, wo nicht bewässert wird, ist alles schon vertrocknet und die riesigen Getreidefelder sind fast abgeerntet, zudem flirrende Hitze.

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Bei Kahta fanden wir an einem der seltenen Zugänge zum Wasser, Abkühlung, einen schönen Übernachtungsplatz und gleich daneben ein sehr gutes Restaurant mit Fisch vom Stausee im Angebot. (N 37° 46` 0,7„ O 38° 39`34,2„ )

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Die nächsten Höhepunkte waren dann historischer Natur. Zuerst der Karakus Tepesi , einen künstlich aufgeschütteten Grabhügel von 36 v. Chr. Ursprünglich war dieser von sechs paarweise angeordneten Säulen umgeben, die jeweils ein Schutztier zierte. Heute stehen aber nur noch vier. Schöner fanden wir aber die römische Cendere Brücke, die hier eindrucksvoll den gleichnamigen Fluss überspannt, welcher hier aus einer engen Schlucht tritt.

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Und weil man hier in so wunderbarer Kulisse direkt am Fluss stehen kann, beendeten wir den Fahrtag spontan. In einer kleinen Lokanta neben der Brücke kann man beim Deutsch sprechenden Wirt nett zu Abend essen. Dieser will den Womo-Gast allerdings überzeugen, für überzogene 15 TL vor seiner Gaststätte zu übernachten. Man kann das tun, steht aber wesentlich romantischer am Flussbett mit Blick durch die schöne Brücke hinein in die Schlucht. (N 37° 55’ 57,0’’ O 38° 36’ 31,8’’)

Am nächsten Morgen klingelt 3.45 Uhr erbarmungslos der Wecker. Wir wollen pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Nemrut Dagi stehen. Unser Übernachtungsplatz ist eine gute Ausgangsposition, dennoch planen wir für die ca. 25 Km Bergfahrt bis zum Parkplatz und den etwa 15-minütigen Aufstieg eine Stunde. Die Planung war übrigens genau richtig, aber man muss unbedingt die wesentlich kürzere Strecke über Arsameia (ausgeschildert) nehmen. Für zwei Womo`s ist am Berg übrigens auch oberhalb neben div. Souvenirshops, auf rel.ebener Fläche, Platz für eine Übernachtung. Somit kann man Sonnenunter-und aufgang bewundern.

Der Nemrut Dagi ist ein 2.100 m hoher Berg auf dessen Gipfel sich ein geltungsbedürftiger König im 1. Jhd. v. Chr. gewaltige Statuen bauen ließ. Diese stellen ihn, div. Ahnen und Götter dar. Bei Erdbeben sind die meisten der über 2 m hohen Köpfe heruntergefallen und schauen nun abseits ihrer Körper in die Landschaft (UNESCO-Kulturerbe). 

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Da uns die Straße nach oben schon bei Dunkelheit schön erschien, sind wir die gleiche Strecke auch wieder nach unten gefahren-unbedingt zu empfehlen!

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Dann ging es aber weiter über die erst kürzlich eröffnete, gigantische Schrägseilbrücke, über den Euphrat Richtung Siverek. Kurzer Einkaufsbummel und nach langen suchen endlich den Traumplatz am See gefunden. Sehr abgelegen bei einer Einsiedelei direkt am Wasser. Wer es lieber schattig mag, kann auch etwas oberhalb bei den Häusern unter Bäumen stehen. (Vorher fragen, aber null Problem.) An den Wochenenden kommen wenige Einheimische, deren Interesse man sich einfach nicht entziehen kann.

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Da wir gerade bei diesem Thema sind, egal ob Türken oder Kurden alle sind, nach unseren bisherigen Erfahrungen, gleichermaßen wissbegierig gegenüber uns Fremden aber dabei überaus gastfreundlich und sie feiern gern. Sie feiern aber nicht nur bei offiziellen Anlässen, sondern auch spontan. Wir haben es nicht nur einmal erlebt, das eine Gruppe (meistens aber leider nur Männer) aus ihrem Autos steigen, Musik aufdrehen, tanzen und singen, egal ob das der Parkplatz neben der Straße oder der Picknickplatz am Fluss ist.

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Und meistens waren wir auch gleich mittendrin, ob ich wollte oder nicht. Ich, damit meine ich natürlich mich (Matthias), meiner “Hupfdole” war das natürlich immer recht. Die Krönung war bisher eine Einladung zu einer kurdischen Hochzeit.

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Wie man sehen kann, bekomme ich davon schon langsam weiße Haare!

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Nun noch mal zurück zum Übernachtungsplatz: In der Woche ist man da aber fast immer allein. Sauberes Wasser, angeln kein Problem (Habe nur meine Angelkiste zu Hause vergessen!) Sind gleich 2 Tage dort geblieben. (N 37 38’ 9,7’’ O 38° 48’ 35,6’’)

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Von Kappadokien zum Euphrat

19.05.2015 – 27.05.2015

Erwartungsgemäß werden wir am Morgen gegen 5 Uhr mit schönen Bildern von fast 100 Heißluftballonen über der Traumlandschaft Kappadokiens belohnt, wie auch an den folgenden Tagen.

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In Göreme treffen wir, nun das dritte Mal, aber diesmal abgesprochen, auf Carola und Burkhard. Wir verbringen zum ersten Mal auf der Tour 5 Nächte an einem Platz und haben das Gefühl, hier noch eine Weile sein zu können. Gemeinsam fahren wir zum Cat-Tal und können es, diesmal ohne Gewitter, durchwandern.

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 An den folgenden 2 Tagen erkundeten wir noch gemeinsam das Liebestal und das Taubental.

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Am letzten Tag dann noch ein Besuch beim “Schöpfer” der märchenhaften Landschaft Kappadokiens. Auf dem Weg dahin haben wir das Glück in einem kleinen Bergdorf auf einen sehr ursprünglichen Wochenmarkt uns wieder mit Obst und Gemüse eindecken zu können.

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Der Vulkanberg Erciyes ist ca. 80 Km Luftlinie von Göreme entfernt, fast 4000 m hoch und von ihm soll die Asche stammen, aus denen sich die Tuffsteinfelsen Kappadokiens gebildet haben. An der Seilbahn, österreichischer Produktion, sind wir die einzigen Gäste und werden für 4 Lira (1,33 €) bequem zur ersten Bergstation befördert. Lifte nach weiter oben sind vorhanden, aber nur in der Skisaison in Betrieb. Diese endete dieses Jahr übrigens erst am 15.04. An der Bergstation gibt es ein sehr schönes und wirklich engagiert geführtes Restaurant, in dem man zudem auch noch sehr preiswert einkehren kann. Insgesamt, bei guter Sicht, ein empfehlenswerter Ausflug.

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Am nächsten Tag verabschieden wir uns von Kappadokien und von Carola und Burkhard(sie müssen wieder zurück) und fahren nun endgültig weiter nach Osten. Aufgrund unseres späten Aufbruchs kommen wir aber nur bis etwa Develi, finden aber dort einen schönen Platz mit Blick auf unseren Vulkanberg vom Vortag, der uns am nächsten Morgen sogar mit einer frischen Schneeauflage begrüßt. Es hatte am Vorabend ein Gewitter gegeben.

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Weiter ging es auf empfehlenswerter Nebenstrecke über Yasibasi, Gümüsören, Cukuryurt, Karsavura, Taspinar, Akcal, auf die D 825 Richtung Karamanmaras und nach Sucas links ab, auf kurvenreicher Strecke, mit tollen Ausblicken auf einen Stausee, bis zum Kurort Ilica. Sehr abwechslungsreiche Tour auf Asphalt und Schotter über mehrere Pässe, vorbei an tiefen Schluchten, bunten Blumenwiesen, schneebedeckten Bergen, Feldern, Obstplantagen und durch kleine Bergdörfer.  Interessant ist auch, dass man etwa zwischen Gümüsören und Cukuryurt ein in Flutung befindliches Gebiet durchfährt.

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Die Hauptattraktion  Ilicas sind Thermalquellen mit dem daran angeschlossenen Kurbad. Dieses wird von Türken sehr stark genutzt und ist daher nur empfehlenswert, wenn man auf “Pobackenkuscheln” steht. Wir wurden da wieder einmal von einem netten türkischen Ehepaar angesprochen und auf einen Tee in ihr bescheidenes Ferienzimmer eingeladen. Beide haben viele Jahre in Deutschland gearbeitet und wollen nun ihren Lebensabend in der Türkei verbringen. Solche Begegnungen sind uns auch immer ein willkommener Informationsaustausch.

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Kahramanmaras (1 Mio. Einw.) wollten wir eigentlich nur passieren, da der Ort in unserem Reiseführer nicht erwähnt ist. Doch schon von weitem konnte man eine große Moschee, die Abdulhamithan  Camii mit vier Minaretten, hoch über der Stadt  sehen. Wir sind nicht unbedingt Freunde des Großstadtverkehrs, aber da mussten wir hin. Und es hatte sich absolut gelohnt. So ein gewaltiges Teil hatten wir noch nicht gesehen!!! (Wir waren noch nicht in Istanbul) Auch innen eine absolute Augenweide. Allerdings fehlt dieser Moschee eine beeindruckende Geschichte, da erst 2013 fertiggestellt. Was auch das Fehlen in unserem Reiseführer erklären würde.

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Der nächste Tag war voll für Gaziantep (1,8 Mio. Einw.) reserviert. Glücklicherweise konnten sogar einen Parkplatz unmittelbar beim historischen Basar ergattern. Somit waren alle unsere Wunschziele zu Fuß erreichbar. Gemütlich schlendern wir dahin und lassen alles auf uns wirken. An der einen Ecke leisten wir uns einen Döner an der anderen einen Tee mit Baklava (Süßspeise). Es wäre müßig jetzt hier all die Eindrücke in Worte zu fassen, da fehlt uns einfach das Talent. Aber vielleicht können ja die Bilder ein wenig, in die für uns andere Welt, entführen.

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Heute nun am letzten Tag dieses Berichts sind wir in Halfeti gelandet. Dieser Ort ist der Stauung des Euphrat zum Opfer gefallen. Zwei Drittel des Ortes sind überflutet und von der Moschee ragt nur noch das Minarett aus dem Wasser. Der Rest des Ortes ist bis zu 40 m unter Wasser. Die Gespensterstadt hat sich aber mittlerweile zu einem kleinen Touristenmagnet entwickelt. Mit Ausflugsbooten kann man sich bis zur mächtigen Festungsruine Rumkale schippern lassen. Das Ganze kostet dann in der Gruppe 10 TL (3,35€), oder man mietet sich für 50 TL (16,60€) sein eigenes Boot. In der Gruppe hat man aber unter Umständen mehr Spaß.

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Den Nachmittag haben wir uns nun “freigenommen”. Am Ufer des Euphrat fand sich ein nettes Plätzchen zum Baden- und Bericht schreiben.

Scheinbar ist hier das Zentrum des Knoblauchanbaus. Säckeweise werden Knoblauch an der Straße zum Kauf angeboten, ein Stand neben dem Anderen, kilometerlang.

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Vom ersten “Muss” zum zweiten “Muss”

14.05.2015 – 18.5.2015

Um weiter Richtung Osten zu gelangen, müssen wir erst ein Stück nach Norden und im großen Bogen die Bucht von Antalya umfahren. Den Ort selbst besichtigen wir nicht, da wir letztes Jahr schon einen kurzen Stopp hier eingelegt hatten und Bettenburgen sowieso nicht so ganz unser Ziel sind. Nach Manavgat zieht es uns wieder in die Berge und wir starten ein Experiment. Die Karte zeigt uns eine vielversprechende Runde von ca. 250 km bei welcher wir schlussendlich in Aydincik wieder auf die Küstenstraße treffen würden. Es gibt nur eine Unsicherheit, auf der Karte ist ein Teilstück nur mit ganz dünner Linie dargestellt und im Navi ist sie gar nicht vorhanden. Wir fragen anfangs also einen Einheimischen, welcher uns glaubhaft zu verstehen gibt, es geht. Also starten wir. Anfänglich noch durch einige Bergdörfer führt uns die Strecke auf guter, aber schmaler Straße durch ein Canyon artiges Tal immer auf etwa halber Höhe mit schwindelerregenden Blicken in die Tiefe.

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Komisch kommt uns aber vor, dass fast keine weiteren Fahrzeuge unterwegs sind. Es ist später Nachmittag und wir suchen nach einem schönen Plätzchen für die Nacht. Es scheint fast aussichtslos als wir doch noch eine Erweiterung unten im Flusstal mit schönen Flächen, und ganz wichtig, einer Zufahrt entdecken.

Am nächsten Morgen bekommen wir Besuch, wie sich herausstellt, vom Bürgermeister des naheliegenden Dorfes. Die üblichen Fragen, woher, wohin und warum. Nach einem gemeinsamen Blick auf die Karte gibt er uns zu verstehen, dass besagter Abschnitt für unser Fahrzeug zu gefährlich wäre, da sehr schmal, zu schräg und daher absturzgefährdet. Wir sind zwar für etwas Abenteuer, aber nicht lebensmüde. Deshalb kehren wir schweren Herzens um und finden zum Glück eine andere und fast noch schönere Rute, wieder durch einen Canyon, zurück.

Da die Strecke ein wirklicher Tipp ist, möchten wir sie kurz erklären. Übrigens auch für normale nicht allzu monströse Wohnmobile mit kampferprobter Besatzung machbar. Außer den beschriebenen Stellplatz, da kommt man ohne Allrad nicht wieder hoch! Aber auf der Rücktour gibt es noch einige schöne, gut befahrbare Übernachtungsplätze. Also nach Manavgat auf die “695” Richtung Konya, nach ca. 25 km nach Osten Richtung Gündogmus, diesen Ort rechts liegen lassen und weiter bis kurz vor Akyar. Dort ist beschriebener Übernachtungsplatz. Sollte es vielleicht doch jemand weiter versuchen wollen (Bitte unbedingt um Rückmeldung!). Dann auf die “340” wieder Richtung Süden auf die Küstenstraße. Wer also wie wir wieder zurück muss, fahrt diesmal durch Köprülü und dann Richtung Güzelbag und weiter nach Süden und kommt dann kurz vor Alanya wieder auf die Küstenstraße. Bei Bedarf können wir auch den Tracklog für die Strecke schicken.

Wir fahren weiter auf der Küstenstraße ohne längere Stopps, da wir die Strecke bis Aydincik schon kennen. Der weitere Abschnitt bis Silifke ist nur dünn besiedelt und verläuft über weite Strecken an schöner Steilküste, nur der Fahrer sollte hier nicht allzu lange den Ausblick genießen. Ab Silifke wird dann alles wieder flacher und wieder stark besiedelt, hauptsächlich mit einer fast nahtlosen Aneinanderreihung von Urlaubszentren. Hier machen dann hauptsächlich Türken aus dem Osten Urlaub.Wir machen Bekanntschaft mit einer typischen türkischen Eigenart: Picknicken am Straßenrand, wo wir uns gerne der liebsten Freizeitbetätigung der Türken anschließen: grillen. Die Türken sind laut allen Reiseführern und den ADAC-Angaben für ihre gewöhnungsbedürftige und eigenwillige Fahrweise mit viel Huperei bekannt. Das Hupen ist eine Art der Kommunikation und Matthias macht schnell mit. Obwohl es zwei Spuren sein sollen, rollt der Verkehr hupend und drängelnd auf bis zu fünf Spuren.

In der Millionenstadt Mersin fragen wir nach dem Weg, als Cemal mit seinem VW-Bus neben uns hält und sich als Lotsen anbietet. Er lotst uns aber erst in sein Restaurant auf ein nettes Gespräch bei, wie könnte es anders sein, einem Glas Tee. Er hat 16 Jahre in Deutschland gelebt und sich vom Ersparten seine Altersversorgung, in Form des Restaurants, gesichert. Und wie man auf dem Bild erkennen kann, haben sich die Männer auf Anhieb gut verstanden!

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Wir sollten unbedingt noch einige Tage bei ihm und seiner Frau bleiben, aber wir mussten dankend ablehnen, wir haben ja noch andere Pläne. Vielleicht ein andermal. Mersin ist übrigens eine sehr moderne, eigentlich erstaunlich westlich wirkende Stadt mit sehr viel jungen Menschen.

Begegnungen dieser Tage:

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Wir verlassen die Küstenstraße in Tarsus gen Norden zu unserem zweiten “Muss”, Richtung Kappadokien. Wir nehmen aber nicht die langweilige Autobahn, sondern die Nebenstrecke über Pozanti, Kavlaktepe, Derinkuyu und Nevsehir nach Göreme. Der schönste Teil der Strecke ist der nach Pozanti bis etwa Kavlaktepe. Hier begleitet uns der “Ala Daglar” Gebirgszug mit schneebedeckten 3000er Bergen. Dann geht es weiter durch große Hochebenen, die im Schnitt 1500m hoch liegen. Hier sind wir nun wieder im Frühling angekommen. Die Obstbäume stehen in voller Blüte und die Bauern bestellen gerade ihre Felder. In Cat, einem kleinen Dorf ca. 20 km vor Göreme, verspricht uns der Reiseführer ein ursprüngliches Dorf und eine schöne Wanderung durch ein Tal mit den hier so berühmten Höhlenwohnungen. Vom erwarteten Touristenrummel war gar nichts zu spüren, wir waren die Einzigen. Schließlich hatten wir sogar noch Probleme den Einstieg zur Wanderung zu finden. Es hat sich aber wieder Erwarten sehr gelohnt, so gelohnt, dass wir noch mal hin wollen, da uns ein Gewitter an der vollen Durchwanderung gehindert hat. Wie gesagt, wir hatten das ganze Tal für uns.

Kartenbild

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Unseren Übernachtungsplatz haben wir wieder, wie voriges Jahr, auf dem Aussichtspunkt nahe Göreme bezogen, und können hoffentlich morgen früh gegen 6.00, wieder an die hundert bunten Heißluftballons bestaunen.

Durch das Bergland zur Südküste.

07.05.2015 – 13.05.2015

Der Schwerpunkt unserer Reise soll ja wie schon erwähnt die Osttürkei sein, es gibt da aber noch zwei Ziele im Westteil, welche wir, obwohl wir voriges Jahr schon da waren, unbedingt noch einmal ansteuern wollten. Eines davon ist Cirali an der Südküste. Wir fahren aber diesmal nicht entlang der Küste, sondern durch das nicht minder reizvolle bergige Hinterland. In vier Tagen ging es ab Lapseki über Biga, Can, Balikesir, Savastepe, Soma, Akhisar, Alasehir, Denizli, Sögüt, Kas und Kale, nach Cirali. Diese Strecke führte größtenteils durch üppig grüne Gebirgslandschaft mit zum Teil noch schneebedeckten Bergen. Wo es möglich ist, wird intensiv Landwirtschaft betrieben. Den höchstgelegenen Acker sahen wir in 1700 m Höhe! Die Felder sind super gepflegt, aber in den Dörfern dann eher rustikale Zweckmäßigkeit. Zwischen Salihli und Denizli durchfährt man ein riesiges Tal mit nicht enden wollenden Weinfeldern. Vor Kas sollte man nicht die Hauptstrecke über die “350” und “400” nehmen, sondern eine spannendere Nebenstrecke über mehrere Pässe und traumhafte Landschaft. Dazu in Bekciler von der “350” abfahren, vor Elmali dann Richtung Yuva, Mursal, Akcay nach Kas. Anfangs ist die Straße etwas schlecht, aber schon nach wenigen Kilometern sehr gut. Eine weitere empfehlenswerte Abweichung von der Hauptstrecke ist gleich am Anfang der Tour: Von Lapseki startend nicht die Hauptstrecke “200” Richtung Biga nehmen, sondern die Parallelstraße über Sahinli. Da fährt man praktisch allein durch Wald, vorbei an Wiesen Feldern durch einige Bergdörfer mit freundlich grüßenden Menschen, eine wunderbare Einstimmung auf dieses tolle Land!

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Als wir bei einem der unzähligen frei zugänglichen Wasserstellen unseren Tank füllen, kommt ein alter Mann zu uns und begrüßt uns freundlich lächelnd mit dem Wort “Hozgeldiniz” (Herzlich Willkommen), würden wir das auch tun?

Für uns gibt es aber seit der Türkei doch eine große Sorge: Manuela leidet unter starken Rückenschmerzen so sehr, dass sie anfangs nicht mehr aufrecht stehen konnte. In Savastepe mussten wir ein Krankenhaus aufsuchen, wo sie sehr freundlich und sogar bevorzugt behandelt wurde.

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Es wurde Bandscheibenvorfall festgestellt und Manuela bekam eine Spritze. Zu unserer Verwunderung war die Behandlung kostenlos, lediglich die verschriebenen Medikamente mussten bezahlt werden. Danach ist zwar eine Besserung eingetreten, aber schmerzfrei war sie noch nicht. Deshalb haben wir einen bekannten in Kas angerufen welcher uns noch einen Termin bei einer Therapeutin besorgt hat. Das hat dann noch mal gut geholfen, sodass wir hier in Cirali schon wieder eine Wanderung nach Olympos, eine kleine Radtour und mit Burkhard und Carola, Reisebekanntschaft aus Innsbruck (schon zum 2. Mal getroffen), eine Nachtwanderung zu den “Ewigen Flammen”. Hier schlagen seit Tausenden von Jahren die von natürlichen Gasen gespeisten Feuer aus dem Felsgestein. Bei einer Flasche Wein sehr romantisch und unbedingt eine Empfehlung. Stirnlampen nicht vergessen!!!

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Nach drei Tagen haben wir dann, etwas wehmütig, diesen wirklich schönen Ort, Richtung Osten verlassen. Wehmütig auch aus folgendem Grund: Wir waren ja nun schon zum dritten Mal hier, zuerst vor zwanzig Jahren, und waren froh, dass sich dieser Ort sein dörfliches Flair erhalten hat. Jedoch mussten wir jetzt erfahren, dass nun doch Bemühungen im Gange sind, diese herrliche Bucht mit Hotelklötzen zu verschandeln. Die Bewohner wehren sich zwar heftig dagegen, aber ob sie da eine Chance haben?  Also wer es noch so erleben möchte sollte, sich beeilen.

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Stellplatzhinweis: Wir haben bisher immer unbehelligt am Ende des Dorfes direkt am Strand gestanden. Diesmal wurden wir aber höflich gebeten etwas weiter hinten zu stehen, da die Zeit beginnt, in der die Wasserschildkröten ihre Eier am Strand vergraben. Absolut verständlich, war aber letztes Jahr nicht das Thema, da wir eher hier waren. Also man fährt im Ort auf der dem Strand naheliegenden Straße bis zum Ende. Dabei kommt man automatisch zum Ende der Bucht, wo einige Ausflugsboote liegen. Dort darf man stehen, oder etwa 100 Meter landeinwärts auf einer großen Fläche, auch schön schattig möglich, unter einer großen Pinie. Blick zum Meer auch noch vorhanden.

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N36°25´18,2”  O30°29´34,4”

Von Montenegro über Albanien, Mazedonien und Griechenland in die Türkei.

01.05.2015 – 06.05.2015

Von unserem Lieblingsplatz in Montenegro war es nur noch ein kurzes Stück bis zur albanischen Grenze. Da wir nun schon zum dritten mal in diesem Land sind, hatten wir beschlossen nur Hauptverbindungsstraßen zu benutzen. Allerdings muss man sagen, wer das Land nur so quert, hat Albanien nicht wirklich erlebt.  Deshalb haben wir dann doch noch einen kurzen Schwenk in ein abgelegenes Seitental gemacht und bei einer Radtour “unser Albanien”, so wie wir es kennen, erlebt.

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Ab dem Ohridsee, dem angeblich tiefsten und saubersten See Europas, dann für uns Neuland im wahrsten Sinne des Wortes: Auf einer schmalen Nebenstrecke, am südöstlichen Ende des Sees, erreichten wir den Grenzübergang nach Mazedonien. Dort dann ziemlich lang gewartet. Die Grenzer nahmen alles sehr genau. Vermutlich ist Mazedonien aufgrund seiner niedrigen Preise bei Einkaufstouristen sehr beliebt. Zugegeben, auch wir waren darüber sehr erfreut und haben unsere Dieseltanks beide randvoll gefüllt (0,90 €/L) und unsere Vorräte ergänzt. Am schöneren Ostufer des Ohridsees dann auch übernachtet. Am nächsten Tag erkundeten wir den wirklich wunderschönen Ort Ohrid mit dem Rad.

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An diesem Tag dann im Landesinneren an einem Bergsee übernachtet und mit vier mazedonischen Anglern einen feuchtfröhlichen Abend erlebt.

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Und hier bei der Beseitigung der Nachwirkungen der Party!

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Trotz alledem sollte es am nächsten Tag noch an die griechische Küste zu einem von uns schon voriges Jahr benutzten Strand-Stellplatz gehen. Die Einreise nach Griechenland ist so, wie man es in Europa erwartet: schnell, freundlich und unkompliziert. Gegen 17.00 ist der Stellplatz erreicht und zu unserer Freude ist alles noch so schön wie letztes Jahr. Hier bleiben wir noch einen weiteren Tag am Strand und mit einer Radtour entlang der Küste war auch der sportliche Teil bedient.

Nun wird es aber Zeit zu unsrem Hauptziel unserer Reise, der Türkei, zu gelangen.

Schon die Einreise in die Türkei bei Ipsala

Kartenbild

ist, wie auch schon letztes Jahr, von Freundlichkeit der Türken geprägt. Wir dürfen passieren, haben schnell den Stempel im Pass und zusätzlich eine Eintragung zum eingeführten Fahrzeug mit dem letztmöglichen Ausfuhrtermin. Diesen sollte man unbedingt einhalten, da sonst empfindliche Strafen drohen, angeblich bis zum Verlust des Fahrzeuges. In Gelibolu rollen wir dann auf die Fähre und sind in ca. einer halben Stunde im asiatischen Teil der Türkei. Gleich nach der Ankunft fahren wir an einen Platz, welchen wir schon letztes Jahr bei der Rückreise vom Schiff aus als den idealen Platz zum “Ozeanriesen schauen” auserkoren hatten. Durch diese Engstelle müssen nämlich alle Schiffe, welche zwischen Mittelmeer und Schwarzen Meer pendeln. Mit Feldstecher und einem Glas Rotwein in der Hand, ein äußerst interessanter Zeitvertreib.

Entlang der Küstenstraße Nr. 8 bis Montenegro

26.04.2015 – 30.04.2015

Unser Weg nach Süden wird durch einen kleinen Schlenker nach Westen unterbrochen, denn wir setzen mit einer kurzen Fährüberfahrt auf die so beliebte Insel Rab. Diese lässt sich wegen ihrer geringen Größe und des gemäßigten Autoverkehrs, recht gut mit dem Rad erkunden. Das haben wir dann auch getan. Die meisten Orte lagen aber noch im “touristischen Winterschlaf”. Nur im Hauptort der Insel, dem Städtchen “Rab”, waren die ersten Touristen eingetroffen. Hier hatten wir dann das Glück, zufällig einer alljährig stattfindenden Prozession beiwohnen zu können. Die Insel ist im Osten sehr karg, aber im Westen angenehm grün. Trotzdem stellte sich uns anschließend die Frage, ob das 56,- € für die Fähre wert war, zumal für freie Übernachtung fast keine attraktiven Möglichkeiten vorhanden sind.

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Auf der Weiterfahrt dann folgende Situation: Wir haben eine schon leicht ”angerötete” Baustellenampel passiert, als plötzlich ein “auf der Lauer liegender ” Polizist mit seinem Motorrad aus der Seitenstraße kommend uns stoppte. Alles soweit in Ordnung, aber ein noch nach uns fahrender Einheimischer wurde mit einigen Worten weitergeschickt und wir sollten 2000 Kuna (ca.290,-€) Strafe zahlen. Das wurde natürlich unsererseits moniert, und nachdem Manuela dann noch ihn und sein Motorrad fotografiert hatte, ging es auf einmal mit nur einer Ermahnung ab. Glück gehabt!

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Unser nächstes Ziel war “Zadar”. Hier haben wir es mit einem Stadtbummel durch die Altstadt und einigen Einkäufen auf dem Wochenmarkt recht kurz gehalten. Weiter auf der wunderschönen Küstenstraße, vorbei an Split, zu unserem mittlerweile 3. Anlauf ”Dubrovnik” zu besichtigen. Nie war es uns gelungen, einen Parkplatz zu ergattern. Unsere neue Strategie ging voll auf: Übernachtung auf unserem mittlerweile “Stammplatz”, auf dem Hausberg des Ortes, mit traumhaftem Blick auf die Stadt. Hinunter und wieder herauf zu Fuß (ziemlich schweißtreibend, aber sehr schön), oder man wählt die bequemere Variante mit der Seilbahn. Jedenfalls haben wir den Besuch in Dubrovnik sehr genossen.

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Von Dubrovnik bis Montenegro war es dann, mit einigen Kilometern durch Bosnien, nur noch eine kurze Etappe. Hier ist die Küstenstraße auch sehr schön, aber für freie Übernachtung auch kaum noch eine Chance. Deshalb haben wir wieder unsere alte Stelle angesteuert, von der wir meinen, das es mittlerweile der letzte Platz hier in Montenegro ist, an der man so schön frei am Meer stehen kann. Und weil es hier so schön ist, haben wir gleich noch einen Ruhetag angehängt.

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