08.06.2015- 13.06.2015
Weiter geht die Fahrt wieder etwas westlich bis Ergani. Es geht durch recht dünn besiedelte Mittelgebirgslandschaft und wir tangieren wieder mehrfach sehr große Stauseen und klare Gebirgsflüsse, welche zu kurzen Badestopps verleiten.
Von Ergani führt uns die Straße dann wieder nordwestlich Richtung Elazig. Hier finden wir für die Nacht, am sauberen Hazar Gölü, dem Quellsee des Tigris, ein lauschiges Plätzchen. Tipp: Den See unbedingt am Südufer befahren, denn hier gibt es, entgegen der Karte und des Navi eine durchgehende, kleine, kaum genutzte, Teerstraße. Diese eignet sich auch, nicht nur wegen der vielen Bademöglichkeiten, zu einer schönen Radtour (ca. 22Km/Strecke) und auf dieser Seite findet man auch mehrere Stellplätze, davon unsere Stellplatzempfehlung. N 38°28`22,1”O 39°25`24,6”
Nach ruhiger Nacht fahren wir weiter über Elazig nach Mezeliköy, von wo man den zweitgrößten Stausee der Türkei, den Keban Baraji, mit der Fähre überqueren muss. Auf der Überfahrt kann man eine zur Insel gewordene Festung bestaunen, diese ist der Rest einer den Fluten geopferten Ortschaft.
Nur wenige Kilometer nach der Überfahrt, ein Einkehrtipp für Freunde fangfrischer Forellen. Diese kann man sich in einem kleinen, originellen Restaurant munden lassen. Der Bach fließt durch den Gastraum und man sitzt um ein mit Forellen besetztes Becken. Testen konnten wir die Qualität der Gerichte aber leider nicht, da wir gerade kurz vorher gegessen hatten, äußerst ärgerlich. Name des Restaurants: Alabalik Izgara Cesitleri N 38°51`18,0”O 39°20`13,9”
Wenige Kilometer nach Tunceli beginnt der Munzur Vadisi Milliparki (Munzurtal Nationalpark). Dieser erstreckt über 420 Quadratkilometer bis nach Ovacik. Die ca. 60 km Fahrt zum Ort schlängelt sich über sehr kurvenreiche, aber traumhaft schöne Strecke, und immer am Fluss entlang. Übrigens auch eine Empfehlung für ausdauernd Radfahrer, da die Strecke nicht stark befahren ist (Sackgasse). Man sollte aber das Wochenende vermeiden, denn da werden vermutlich viele Einheimische das Tal stürmen.
Weitere 17 km nach Ovacik erreicht man die Munzurquellen. Dort kann man bei wenigen Imbissbuden und einigen Souvenirständen, an Sitzgruppen picknicken und dabei viele aus dem Berg sprudelnde Quellen betrachten. Wir sind aber erst einmal noch einige Hundert Meter weiter bergauf, einem Trampelpfad zur allerersten Quelle gefolgt und haben erst danach unseren Erdbeerkuchen verputzt.
Da für den nächsten Tag eine Bergtour geplant war, es aber für den Nationalpark weder Wanderkarten noch ausgeschilderte Wege gibt, musste irgendwie ein Bergführer her. Deshalb noch mal zurück nach Ovacik. Beim Einkauf sprach uns ein älterer Herr an. Nach den üblichen Fragen nach dem woher und wohin waren wir mit unserem Türkisch am Ende und er nahm mich (Matthias), wie hier so üblich und mir so “angenehm”, bei der Hand und führte mich durchs halbe Dorf zur nächsten Teestube. Erst dort erkannten wir den Grund. Da saß sein Deutsch sprechender Kumpel beim Brettspiel. Dieser wiederum organisierte uns Ismail, einen äußerst rüstigen Rentner, welcher 33 Jahre im Ruhrgebiet unter Tage gearbeitet hat und demzufolge gut deutsch spricht, als Wanderführer. Ist das nicht Gastfreundschaft.
Pünktlich um 8 Uhr trafen wir uns an der verabredeten Stelle und fuhren mit unserem Auto noch einige km bis zum Einstieg der Tour. Wir hatten uns auf eine Wanderung durch ein Tal, aufsteigend zu mehreren Wasserfällen, geeinigt. Ismail “entpuppte” sich als ein absoluter Glückstreffer. Er geht fast täglich in die Berge (meistens allein), ist hier geboren, kann sehr viel über Natur und Geschichte der Region vermitteln und er hat sich wunderbar nach unserem Lauftempo gerichtet (er ist fit wie ein Turnschuh). Am Ende hat es sogar noch für eine kleine Zugabe, in Form einer Passbesteigung gereicht, und nach 8 Stunden waren wir, ziemlich k.o., wieder am Auto. Wunderschöne, aber recht anstrengende, über Geröll und mehrere Bäche (natürlich ohne Brücken), führende Tour.
Tipp: Wir haben Ismail gefragt, ob wir ihn als Wanderführer in unserem Blog empfehlen dürfen, wir dürfen. Einfach im Dorf (in einer Teestube ist immer gut) nach Ismail Erdogan fragen. Er ist allerdings nicht immer hier, er lebt in Deutschland. Aber ab Mitte Juni bis Mitte Oktober könnte man Glück haben. Leider hat er hier kein Telefon. Wichtig: Er macht das nicht kommerziell, sondern aus reiner Gastfreundschaft. Trotzdem wird er sich über eine Anerkennung, egal in welcher Form, freuen.
N39°20`44,6”O39°8`11,9”
Nette Begegnungen:

