14.05.2015 – 18.5.2015
Um weiter Richtung Osten zu gelangen, müssen wir erst ein Stück nach Norden und im großen Bogen die Bucht von Antalya umfahren. Den Ort selbst besichtigen wir nicht, da wir letztes Jahr schon einen kurzen Stopp hier eingelegt hatten und Bettenburgen sowieso nicht so ganz unser Ziel sind. Nach Manavgat zieht es uns wieder in die Berge und wir starten ein Experiment. Die Karte zeigt uns eine vielversprechende Runde von ca. 250 km bei welcher wir schlussendlich in Aydincik wieder auf die Küstenstraße treffen würden. Es gibt nur eine Unsicherheit, auf der Karte ist ein Teilstück nur mit ganz dünner Linie dargestellt und im Navi ist sie gar nicht vorhanden. Wir fragen anfangs also einen Einheimischen, welcher uns glaubhaft zu verstehen gibt, es geht. Also starten wir. Anfänglich noch durch einige Bergdörfer führt uns die Strecke auf guter, aber schmaler Straße durch ein Canyon artiges Tal immer auf etwa halber Höhe mit schwindelerregenden Blicken in die Tiefe.
Komisch kommt uns aber vor, dass fast keine weiteren Fahrzeuge unterwegs sind. Es ist später Nachmittag und wir suchen nach einem schönen Plätzchen für die Nacht. Es scheint fast aussichtslos als wir doch noch eine Erweiterung unten im Flusstal mit schönen Flächen, und ganz wichtig, einer Zufahrt entdecken.
Am nächsten Morgen bekommen wir Besuch, wie sich herausstellt, vom Bürgermeister des naheliegenden Dorfes. Die üblichen Fragen, woher, wohin und warum. Nach einem gemeinsamen Blick auf die Karte gibt er uns zu verstehen, dass besagter Abschnitt für unser Fahrzeug zu gefährlich wäre, da sehr schmal, zu schräg und daher absturzgefährdet. Wir sind zwar für etwas Abenteuer, aber nicht lebensmüde. Deshalb kehren wir schweren Herzens um und finden zum Glück eine andere und fast noch schönere Rute, wieder durch einen Canyon, zurück.
Da die Strecke ein wirklicher Tipp ist, möchten wir sie kurz erklären. Übrigens auch für normale nicht allzu monströse Wohnmobile mit kampferprobter Besatzung machbar. Außer den beschriebenen Stellplatz, da kommt man ohne Allrad nicht wieder hoch! Aber auf der Rücktour gibt es noch einige schöne, gut befahrbare Übernachtungsplätze. Also nach Manavgat auf die “695” Richtung Konya, nach ca. 25 km nach Osten Richtung Gündogmus, diesen Ort rechts liegen lassen und weiter bis kurz vor Akyar. Dort ist beschriebener Übernachtungsplatz. Sollte es vielleicht doch jemand weiter versuchen wollen (Bitte unbedingt um Rückmeldung!). Dann auf die “340” wieder Richtung Süden auf die Küstenstraße. Wer also wie wir wieder zurück muss, fahrt diesmal durch Köprülü und dann Richtung Güzelbag und weiter nach Süden und kommt dann kurz vor Alanya wieder auf die Küstenstraße. Bei Bedarf können wir auch den Tracklog für die Strecke schicken.
Wir fahren weiter auf der Küstenstraße ohne längere Stopps, da wir die Strecke bis Aydincik schon kennen. Der weitere Abschnitt bis Silifke ist nur dünn besiedelt und verläuft über weite Strecken an schöner Steilküste, nur der Fahrer sollte hier nicht allzu lange den Ausblick genießen. Ab Silifke wird dann alles wieder flacher und wieder stark besiedelt, hauptsächlich mit einer fast nahtlosen Aneinanderreihung von Urlaubszentren. Hier machen dann hauptsächlich Türken aus dem Osten Urlaub.Wir machen Bekanntschaft mit einer typischen türkischen Eigenart: Picknicken am Straßenrand, wo wir uns gerne der liebsten Freizeitbetätigung der Türken anschließen: grillen. Die Türken sind laut allen Reiseführern und den ADAC-Angaben für ihre gewöhnungsbedürftige und eigenwillige Fahrweise mit viel Huperei bekannt. Das Hupen ist eine Art der Kommunikation und Matthias macht schnell mit. Obwohl es zwei Spuren sein sollen, rollt der Verkehr hupend und drängelnd auf bis zu fünf Spuren.
In der Millionenstadt Mersin fragen wir nach dem Weg, als Cemal mit seinem VW-Bus neben uns hält und sich als Lotsen anbietet. Er lotst uns aber erst in sein Restaurant auf ein nettes Gespräch bei, wie könnte es anders sein, einem Glas Tee. Er hat 16 Jahre in Deutschland gelebt und sich vom Ersparten seine Altersversorgung, in Form des Restaurants, gesichert. Und wie man auf dem Bild erkennen kann, haben sich die Männer auf Anhieb gut verstanden!
Wir sollten unbedingt noch einige Tage bei ihm und seiner Frau bleiben, aber wir mussten dankend ablehnen, wir haben ja noch andere Pläne. Vielleicht ein andermal. Mersin ist übrigens eine sehr moderne, eigentlich erstaunlich westlich wirkende Stadt mit sehr viel jungen Menschen.
Begegnungen dieser Tage:
Wir verlassen die Küstenstraße in Tarsus gen Norden zu unserem zweiten “Muss”, Richtung Kappadokien. Wir nehmen aber nicht die langweilige Autobahn, sondern die Nebenstrecke über Pozanti, Kavlaktepe, Derinkuyu und Nevsehir nach Göreme. Der schönste Teil der Strecke ist der nach Pozanti bis etwa Kavlaktepe. Hier begleitet uns der “Ala Daglar” Gebirgszug mit schneebedeckten 3000er Bergen. Dann geht es weiter durch große Hochebenen, die im Schnitt 1500m hoch liegen. Hier sind wir nun wieder im Frühling angekommen. Die Obstbäume stehen in voller Blüte und die Bauern bestellen gerade ihre Felder. In Cat, einem kleinen Dorf ca. 20 km vor Göreme, verspricht uns der Reiseführer ein ursprüngliches Dorf und eine schöne Wanderung durch ein Tal mit den hier so berühmten Höhlenwohnungen. Vom erwarteten Touristenrummel war gar nichts zu spüren, wir waren die Einzigen. Schließlich hatten wir sogar noch Probleme den Einstieg zur Wanderung zu finden. Es hat sich aber wieder Erwarten sehr gelohnt, so gelohnt, dass wir noch mal hin wollen, da uns ein Gewitter an der vollen Durchwanderung gehindert hat. Wie gesagt, wir hatten das ganze Tal für uns.
Unseren Übernachtungsplatz haben wir wieder, wie voriges Jahr, auf dem Aussichtspunkt nahe Göreme bezogen, und können hoffentlich morgen früh gegen 6.00, wieder an die hundert bunten Heißluftballons bestaunen.
