15.04.2014 – 18.04.2014
15.4. Auf zum Köprülü Canyon Nationalpark. Laut Karte ist der kürzeste Weg dahin direkt über die Berge auf weißen Straßen (Nebenstraßen). Aber wie schon oft erlebt sind diese Straßen nicht unbedingt die schnellere Möglichkeit, aber immer die schönere und erlebnisreichere Variante.
So auch dieses mal. Für die wenigen km bis Beskonak benötigten wir, mit allerdings vielen Zwischenstopps, den ganzen Tag. Blicke in den eigentlichen Canyon hat man von der Straße aus nur an wenigen Stellen. Sicherlich könnte man auf einer Wanderung noch wesentlich mehr erhaschen, (allerdings ist der Canyon nicht begehbar) aber dergleichen haben wir schon genug gesehen. Rafting ist nämlich hier die am meisten angesagte Unternehmung. Laut Reiseführer fahren hier in der Hochsaison bis zu 4000 Touristen den Köprülü Cayi mit Schlauchbooten herunter. Wieder mal gut, dass wir so zeitig sind! Erkan empfängt uns schon bei Überfahrt über die alte, sehr schmale, römische Steinbogenbrücke über den Fluss.
Er ist natürlich ein Schlepper, aber er ist nicht zu aufdringlich, spricht sehr gut deutsch – und er hat für uns auch gleich einen sehr schönen Übernachtungsplatz hoch über dem Fluss. Bei so viel “Nettigkeit” werden wir uns auch schnell handelseinig, sodass wir über ihn die Tour für den nächsten Tag bestellen. Er hilft uns noch beim Holzsuchen für`s Lagerfeuer und weil er so begeistert von meiner Säge ist, macht er auch noch gleich eine Packung Äste für seine Ziegen zurecht. Es gibt wieder Forelle vom Grill.
Gute Nacht.
16.4. Erkan kommt auf seinem Weg zur “Arbeit” mit seinem Motorrad bei uns vorbei, wir vereinbaren eine Zeit zwischen 10 und 11 Uhr, weil wir noch in sein Bergdorf nach Altinkaya (Selge) zur Besichtigung des dortigen antiken Theaters möchten. Er meint alles kein Problem, wir seien voraussichtlich sowieso nur die einzigen “Fahrgäste”. Auf dem Weg zu diesem Dorf unser erstes unschönes Erlebnis: Eine Frau steht, bepackt mit einem Bund Ziegenfutter am Straßenrand und möchte mitfahren. Also Notsitz aktiviert, Futter am Fahrradträger befestigt und die 4 km mitgenommen.
Im Dorf angekommen, lädt sie uns aus lauter “Dankbarkeit zu einem Tee ein. Schlussendlich landen wir in ihrem improvisierten Imbiss mit Souvenirverkauf und den Tee mussten wir auch noch bezahlen.
Eine weitere Frau wollte sich nur gegen Geld fotografieren lassen (der Massentourismus lässt grüßen). Beim Rafting waren wir wirklich die Einzigen, natürlich nicht auf dem Fluss, es gibt ja noch mehr Anbieter, jedoch mehr als 5 Boote haben wir nicht gesehen. Weil wir nur zu zweit waren, haben wir uns dann für ein 2er Kajak entschieden. Auf die übliche Einweisung warteten wir vergeblich. Wäre vermutlich auch nicht viel rübergekommen, der Guide spricht nur türkisch. Also rein in die Kiste und ihm nach.
Nach nur 50 m die erste Stromschnelle, mit 360 Grad Drehung glücklich ohne Kenterung geschafft. Danach kam zum Glück ein sanfterer Abschnitt, sodass wir unser Boot erst einmal “kennenlernen” konnten. Alles ging dann noch mit viel Gaudi und wachsender Routine über die Bühne. Am Ende der etwa 2-stündigen Tour gab es dann noch Forelle (Was sonst?). Das alles für unschlagbare 50 €, für uns beide! Am Abend standen wir am Meer an einer Flussmündung. Hier konnten wir noch schön die ein-und ausfahrenden Schiffe beobachten.
17.4. Heute soll es wieder mal “kilometern”. Reisefreunde hatten uns einen tollen Strandplatz bei Anamur empfohlen und nicht zu viel versprochen. (Vielen Dank nach Unna!!!) Da die Küste zwischen Antalya und Alanya fast vollständig mit Hotels zugebaut ist, gab es nur zwei mal Zwischenstopps. Der Erste in Alanya zu einer kurzen Stadtbesichtigung und der Zweite zur Bade-und Kaffeepause in einer Bucht an der Steilküste.
Besagten Strandplatz haben wir dann nach etwas Suchen, auch gefunden und dort, völlig allein, eine ruhige Nacht verbracht.
18.4. Strandtag am südlichsten Punkt der Türkei. Wäsche waschen, Brot und Erdbeerkuchen backen, baden und Stadtbesichtigung mit dem Rad. Anamur ist eher landwirtschaftlich als touristisch geprägt. Es liegt in einer der vielen Ebenen, bei denen man aus der Ferne meint, fast alles läge unter Folie- und Glasgewächshäusern. Wir kamen zufällig an einer riesigen Annahmestelle für Obst und Gemüse vorbei. Dort trafen die Bauern im Minutentakt mit ihren Fahrzeugen, vom Moped bis zum 30-Tonnen Laster, ein um ihre Produkte zu verkaufen. Hochinteressant was da so an Menge und Vielfalt, im vermeintlichen Chaos, umgeschlagen wird. Wieder eine ruhige Nacht, vom Meeresrauschen einmal abgesehen.
Eure Strecke gefällt mir ausgeprochen gut. Es ist eine schöne Mischung aus Natur, Kultur und Bewegung. Ob meine liebe Frau Rafting mitmachen würde, bezweifele ich. Fangt ihr die Forellen selber? Habt ihr schon mal Kokorec gekostet?